Abschiedsworte


von Hans-Jürgen Schatz für Hans "Hansi" Holyst

 

Abschiedsworte für Hans „Hansi“ Holyst
18. Dezember 2017, 14:00 Uhr, Friedhof Wilmersdorf.
Jetzt schaut’s doch net so traurig, möchte ich Euch,
liebe Steffi,
Charlotte, Daniel und Rena,
Dorothea und Anton
Ihnen, liebe Alexandra,
und allen Freunden, Bekannten, Gästen und Weggefährten von Hansi
am liebsten zurufen, den Bruder zu Hansis so oft gehörten Satz
„jetzt schaun’s doch net so bös, gnä’ Frau, i konn ja net dafür…“. Aber zum
einen fehlt mir der treuherzige Blick, mit dem Hansi solche Sätze zugleich
begleitete und kommentierte, zum anderen ist es in diesem Moment wohl
kaum möglich, anders als traurig zu schauen.
Und wenn Hansi dem gestreßten Gast erst einmal ein Weinderl serviert hatte,
war die Welt wieder in Ordnung - für beide Seiten. Als gewiefter Wirt, dem
nichts Menschliches fremd war, hatte er einen Blick für jeden Gast, der zur
Tür hereinkam - und in seltenen Fällen auch gleich wieder hinausexpediert
wurde. Er verstand es, mit Menschen umzugehen. Weniger mit Geld. Ein
gewiefter Geschäftsmann war er sicher nicht. Aber das war offenbar auch gar
nicht das Anliegen von Hans Holyst.
Mein Name ist Hans-Jürgen Schatz. Mir ist die Ehre widerfahren, hier etwas
aus Hansis Leben erzählen zu dürfen.
Geboren wurde er am 5. Juni 1944 in Wien. Gestorben ist Hansi
überraschend - und vielleicht auch wieder nicht - am 18. November, daheim
und seine Steffi war bei ihm.
Zwischen diesen beiden Daten 5. Juni 1944 und 18. November 2017 liegt ein
in unseren Augen zu kurzes und doch in gewisser Weise erfülltes Leben.Hansi war sehr fleißig und hat vieles in seinem Leben geschafft. Meistens
parallel. Denn nacheinander hätte gar nicht alles in diese rund 73 Jahre
hineingepaßt. So liefen gleich anfangs Sport und Tanz nebeneinander her.
Bei Dia Luca hat er seine Tanzausbildung absolviert und sehr früh
angefangen als Profi zu tanzen. Außerdem war er Kunst- und Turmspringer
und reiste mit der österreichischen Nationalmannschaft 1960 zu den
Olympischen Spielen in Rom. Sein Vater war Tischler und oft hat er in der
väterlichen Werkstatt mitgearbeitet.
Und marschierte der Sportler als Vertreter seines Landes mit der
Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in der italienischen
Metropole ein, so wirkte der quirlige, schauspielernde Tänzer an ersten
Adressen in seiner Heimatstadt Wien - an der Staatsoper, dem Theater an
der Wien und an der Volksoper. In der Spielzeit 1959/60 stand er mit Hans
Albers im Wiener Raimundtheater in Carl Zuckmayers „Katharina Knie“ auf
der Bühne, einer Aufführung, deren Theaterzettel große Namen wie Mischa
Spoliansky als Komponisten und Robert Gilbert als Liedtexter ausweist. Bei
den Salzburger Festspielen war er in Ferdinand Raimunds Zaubermärchen
„Der Bauer als Millionär“ zu sehen. Das Neujahrskonzert der Wiener
Philharmoniker mit den verfilmten Choreographien brachte ihn ins Fernsehen.
Und der auch akrobatisch begabte Hansi schaffte es an der Seite von Stars
wie Peter Alexander bis ins Kino. Und weil er nicht nur an sich, sondern auch
an seine Tänzerkollegen dachte und ihnen während der Theaterferien Jobs in
Filmen und anderswo vermittelte, war er nicht zuletzt in Kollegenkreisen sehr
beliebt. Die eine oder andere Szene aus jenen Filmen läßt sich auf you tube
entdecken. Man muß Hansi nur erkennen!
Wen er mochte, dem war er ein Leben lang treu. Nicht nur seinen Hemden
und anderer Garderobe. Da war es schwer, ihn mit etwas Neuem zu erfreuen.
So hielt über Jahrzehnte auch die freundschaftliche Beziehung zum einstigen
Direktor des Theaters an der Wien Rolf Kutschera, von dem er viel zu
erzählen wußte; der seine Frau, die Schauspielerin Susanne von Almassy,
einst in Berlin geheiratet hatte und die Goldene Hochzeit im „Wiener Stüberl“
feierte.Vor dem „Wiener Stüberl“ in Wilmersdorf gab es den „Alten Krug“ in
Zehlendorf. Wie aber kommt ein Hanstanz in allen Gassen dazu, ein
erfolgreicher und prominenter Gastwirt zu werden? So ganz genau läßt sich
diese Geschichte ohne Hansi oder andere, die es erlebt haben, nicht mehr
klären. 1973 war er über eine Arbeit für das Fernsehen des Saarländischen
Rundfunks in Saarbrücken nach Berlin gekommen, um ein schließlich
multitasking Engagement am Theater des Westens zu übernehmen, wo er
als Tänzer, Choreograph, und Co-Regisseur an der Aufführung des
Kindermusicals „Zauber Zirkus Zuckerhut“ mit Andreas Mannkopf beteiligt
war. Und trotz der beständigen großen Affinität, ja Liebe zum Theater, zum
Tanz und zur Musik war Hansi kein Theatergänger. Waren die Tänzerbeine
zu unruhig? Hatte er kein Sitzfleisch? Dauerte alles zu lange? Er brauchte die
Bewegung. Und so wird es ihm leicht gefallen sein, das Auto abzuschaffen
und das Fahrrad zum bevorzugten Fortbewegungsmittel zu machen.
In Berlin tanzte er auch in ein neues Leben hinein. Hier lernte er zunächst
seine zweite Frau Beate kennen. Und er wechselte das Fach. Und zwar
gründlich. Auf Grund einer Wette, so wird es erzählt, wurde er Gastwirt. Der
gelernte Hobbykoch aus Wien, der dort auch schon mal die Gäste der
Theaterkantine verköstigte, wettete, in kürzester Zeit in Berlin eine gute
Gastronomie aufzuziehen. Topp, die Wette galt. Der Rest ist Geschichte - und
im vergilbten, leicht zerfledderten Gästebuchs eines der bekanntesten
Lokale, ja Künstlerlokale West-Berlins nachzublättern. Von 1974 - 88 fuhr
man zu Hansi in den „Alten Krug“ nach Zehlendorf. Dort verkehrten die Stars
der Berliner Bühnen: die Meysel, die Heuser, die Schollwer, die Treff und die
Baxevanos, Boy Gobert, Martin Held und Bernhard Minetti. Und der gute Ruf
des Lokals war bis in internationale Regionen vorgedrungen. Es kamen Tony
Curtis, Leonard Bernstein und José Feliciano. Neben den großen Namen
zeigt das Gästebuch aber auch ganz andere Zeitzeugen, wie Polaroidfotos,
auf denen wir wiederum vergangene Mode, Frisuren, Make-up und Brillen
betrachten können, neben nicht mehr üblichen und nicht immer lesbaren
Handschriften.Manche Zehlendorfer Gäste wurden zu Freunden, zogen mit und blieben
Hansi auch in Wilmersdorf treu: Christian Wölffer, man kannte sich schon von
„My Fair Lady“ aus Wien, Peer Schmidt, Johannes Heesters und René Kollo.
Man konnte den Eindruck haben, diese Stars ihres Fachs gehörten ganz
selbstverständlich zu einer Art erweiterter Familie.
So wie Kollegen und Freunde aus alten Zeiten in Österreich, die zu Hansi
und Steffis Freude oft mit einer österreichischen Spezialität hereinschneiten
und mit einer solchen Kleinigkeit große Freude auslösten, während fremde
Gäste, die sich mit einer doppelten Portion Wiener Schmäh an Hansi
ranschmeißen wollten, keine Chance hatten.
Mit Steffi kam noch einmal die große Wende in Hansis Leben. 1989 lernten
die beiden sich im Zehlendorfer Lokal „Syphon“ kennen, zogen nach 14
Tagen zusammen und blieben es 28 Jahre - in guten wie in schlechten
Zeiten.
Seit 1992 gab es ein „Wiener Stüberl“ auf der Uhlandstraße, in dem ich
unendlich viele schöne, streitbare und durchgefeierte Stunden verleben
durfte. Abende, an die man sich gerne erinnerte - wenn man noch konnte.
Hierher lud man gerne zum Gänseessen an Martini ein, feierte in großer
Runde eine neue CD, mietete das ganze Lokal für einen Geburtstag - und
jeder Gast, der neu mitkam, kehrte gerne in dieses gemütliche Lokal mit dem
manchmal zu großzügigen Wiener Wirt und seiner eher resoluten,
bayerischen, von allen respektierten Ehefrau zurück.
Und es muß etwas dran sein, wenn zwei Menschen wie Steffi und der
Intendant des Berliner Kriminaltheaters und Regisseur Wolfgang Rumpf
Hansi unabhängig voneinander ähnlich charakterisieren. So sagt Steffi: „Mir
hat seine ganze Lebensart, der Schmäh und das Laissez faire gut getan.“
Und Wolfgang Rumpf erinnert sich: „Er hat mir mit seiner offenen,
liebenswerten, heiteren Art, das Leben zu leben, vieles gegeben“. Ja, Hansi
hat die Worte, die Hugo von Hofmannsthal seiner „Rosenkavalier“-
Marschallin in den Mund gelegt hat, beherzigt: „leicht muß man sein, mit
leichtem Herz und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen“.Über diesen Abschnitt im Leben von Hansi und Steffi wird uns nach dem
nächsten Lied von Rainhard Fendrich Dr. Jürgen Zimmer mehr erzählen. Aus
23 Jahren, die Steffi für ihn an der Freien Universität Berlin gearbeitet hat, ist
eine schöne Freundschaft hervorgegangen.
Neben vielen Fotos und anderen Erinnerungsstücken hing im „Wiener
Stüberl“ ein gebastelter Geburtstagsglückwunsch für Hansi an der Wand, auf
dem, von einem roten Vorhang umrahmt, unter seinem Namen geschrieben
stand: Wegen des großen Erfolges Verlängerung auf unbestimmte Zeit. Nun
ist der letzte Vorhang gefallen und es wird keine Wiederaufnahme geben.
Aber eines können wir an dieser Stelle festhalten: Die Wette von 1974 hat
Hansi nicht nur gewonnen, sondern 40 Jahre lang erfolgreich zu unserer und
auch seiner Freude eingelöst.
© Hans-Jürgen Schatz

Abschiedsworte für Hans „Hansi“ Holyst
18. Dezember 2017, 14:00 Uhr, Friedhof Wilmersdorf.

Jetzt schaut’s doch net so traurig, möchte ich Euch,
liebe Steffi,
Charlotte, Daniel und Rena,
Dorothea und Anton,
Ihnen, liebe Alexandra,
und allen Freunden, Bekannten, Gästen und Weggefährten von Hansi am liebsten zurufen, den Bruder zu Hansis so oft gehörten Satz „jetzt schaun’s doch net so bös, gnä’ Frau, i konn ja net dafür…“. Aber zum einen fehlt mir der treuherzige Blick, mit dem Hansi solche Sätze zugleich begleitete und kommentierte, zum anderen ist es in diesem Moment wohlkaum möglich, anders als traurig zu schauen.

Und wenn Hansi dem gestressten Gast erst einmal ein Weinderl serviert hatte, war die Welt wieder in Ordnung - für beide Seiten. Als gewiefter Wirt, dem nichts Menschliches fremd war, hatte er einen Blick für jeden Gast, der zur Tür herein kam - und in seltenen Fällen auch gleich wieder hinausexpediert wurde. Er verstand es, mit Menschen umzugehen. Weniger mit Geld. Eingewiefter Geschäftsmann war er sicher nicht. Aber das war offenbar auch garnicht das Anliegen von Hans Holyst.

Mein Name ist Hans-Jürgen Schatz. Mir ist die Ehre widerfahren, hier etwas aus Hansis Leben erzählen zu dürfen.

Geboren wurde er am 5. Juni 1944 in Wien. Gestorben ist Hansi überraschend - und vielleicht auch wieder nicht - am 18. November, daheim und seine Steffi war bei ihm.

Zwischen diesen beiden Daten 5. Juni 1944 und 18. November 2017 liegt ein in unseren Augen zu kurzes und doch in gewisser Weise erfülltes Leben.

Hansi war sehr fleißig und hat vieles in seinem Leben geschafft. Meistens parallel. Denn nacheinander hätte gar nicht alles in diese rund 73 Jahre hineingepasst. So liefen gleich anfangs Sport und Tanz nebeneinander her. Bei Dia Luca hat er seine Tanzausbildung absolviert und sehr früh angefangen als Profi zu tanzen. Außerdem war er Kunst- und Turmspringer und reiste mit der österreichischen Nationalmannschaft 1960 zu den Olympischen Spielen in Rom. Sein Vater war Tischler und oft hat er in der väterlichen Werkstatt mitgearbeitet.

Und marschierte der Sportler als Vertreter seines Landes mit der Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in der italienischen Metropole ein, so wirkte der quirlige, schauspielernde Tänzer an ersten Adressen in seiner Heimatstadt Wien - an der Staatsoper, dem Theater ander Wien und an der Volksoper. In der Spielzeit 1959/60 stand er mit Hans Albers im Wiener Raimundtheater in Carl Zuckmayers „Katharina Knie“ auf der Bühne, einer Aufführung, deren Theaterzettel große Namen wie Mischa Spoliansky als Komponisten und Robert Gilbert als Liedtexter ausweist. Beiden Salzburger Festspielen war er in Ferdinand Raimunds Zaubermärchen „Der Bauer als Millionär“ zu sehen. Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker mit den verfilmten Choreographien brachte ihn ins Fernsehen. Und der auch akrobatisch begabte Hansi schaffte es an der Seite von Stars wie Peter Alexander bis ins Kino. Und weil er nicht nur an sich, sondern auch an seine Tänzerkollegen dachte und ihnen während der Theaterferien Jobs in Filmen und anderswo vermittelte, war er nicht zuletzt in Kollegenkreisen sehr beliebt. Die eine oder andere Szene aus jenen Filmen läßt sich auf youtube entdecken. Man muß Hansi nur erkennen!

Wen er mochte, dem war er ein Leben lang treu. Nicht nur seinen Hemden und anderer Garderobe. Da war es schwer, ihn mit etwas Neuem zu erfreuen. So hielt über Jahrzehnte auch die freundschaftliche Beziehung zum einstigen Direktor des Theaters an der Wien Rolf Kutschera, von dem er viel zu erzählen wußte; der seine Frau, die Schauspielerin Susanne von Almassy, einst in Berlin geheiratet hatte und die Goldene Hochzeit im „Wiener Stüberl“ feierte.

Vor dem „Wiener Stüberl“ in Wilmersdorf gab es den „Alten Krug“ in Zehlendorf. Wie aber kommt ein Hanstanz in allen Gassen dazu, ein erfolgreicher und prominenter Gastwirt zu werden? So ganz genau läßt sich diese Geschichte ohne Hansi oder andere, die es erlebt haben, nicht mehr klären. 1973 war er über eine Arbeit für das Fernsehen des Saarländischen Rundfunks in Saarbrücken nach Berlin gekommen, um ein schließlich multitasking Engagement am Theater des Westens zu übernehmen, wo er als Tänzer, Choreograph, und Co-Regisseur an der Aufführung des Kindermusicals „Zauber Zirkus Zuckerhut“ mit Andreas Mannkopf beteiligt war. Und trotz der beständigen großen Affinität, ja Liebe zum Theater, zum Tanz und zur Musik war Hansi kein Theatergänger. Waren die Tänzerbeine zu unruhig? Hatte er kein Sitzfleisch? Dauerte alles zu lange? Er brauchte die Bewegung. Und so wird es ihm leicht gefallen sein, das Auto abzuschaffen und das Fahrrad zum bevorzugten Fortbewegungsmittel zu machen.

In Berlin tanzte er auch in ein neues Leben hinein. Hier lernte er zunächst seine zweite Frau Beate kennen. Und er wechselte das Fach. Und zwar gründlich. Auf Grund einer Wette, so wird es erzählt, wurde er Gastwirt. Der gelernte Hobbykoch aus Wien, der dort auch schon mal die Gäste der Theaterkantine verköstigte, wettete, in kürzester Zeit in Berlin eine gute Gastronomie aufzuziehen. Topp, die Wette galt. Der Rest ist Geschichte - und im vergilbten, leicht zerfledderten Gästebuchs eines der bekanntesten Lokale, ja Künstlerlokale West-Berlins nachzublättern. Von 1974 - 88 fuhr man zu Hansi in den „Alten Krug“ nach Zehlendorf. Dort verkehrten die Stars der Berliner Bühnen: die Meysel, die Heuser, die Schollwer, die Treff und die Baxevanos, Boy Gobert, Martin Held und Bernhard Minetti. Und der gute Ruf des Lokals war bis in internationale Regionen vorgedrungen. Es kamen Tony Curtis, Leonard Bernstein und José Feliciano. Neben den großen Namen zeigt das Gästebuch aber auch ganz andere Zeitzeugen, wie Polaroidfotos, auf denen wir wiederum vergangene Mode, Frisuren, Make-up und Brillen betrachten können, neben nicht mehr üblichen und nicht immer lesbaren Handschriften.

Manche Zehlendorfer Gäste wurden zu Freunden, zogen mit und blieben Hansi auch in Wilmersdorf treu: Christian Wölffer, man kannte sich schon von „My Fair Lady“ aus Wien, Peer Schmidt, Johannes Heesters und René Kollo. Man konnte den Eindruck haben, diese Stars ihres Fachs gehörten ganz selbstverständlich zu einer Art erweiterter Familie.

So wie Kollegen und Freunde aus alten Zeiten in Österreich, die zu Hansi und Steffis Freude oft mit einer österreichischen Spezialität hereinschneiten und mit einer solchen Kleinigkeit große Freude auslösten, während fremde Gäste, die sich mit einer doppelten Portion Wiener Schmäh an Hansi ranschmeißen wollten, keine Chance hatten.

Mit Steffi kam noch einmal die große Wende in Hansis Leben. 1989 lernten die beiden sich im Zehlendorfer Lokal „Syphon“ kennen, zogen nach 14 Tagen zusammen und blieben es 28 Jahre - in guten wie in schlechten Zeiten. Seit 1992 gab es ein „Wiener Stüberl“ auf der Uhlandstraße, in dem ich unendlich viele schöne, streitbare und durchgefeierte Stunden verleben durfte. Abende, an die man sich gerne erinnerte - wenn man noch konnte. Hierher lud man gerne zum Gänseessen an Martini ein, feierte in großer Runde eine neue CD, mietete das ganze Lokal für einen Geburtstag - und jeder Gast, der neu mitkam, kehrte gerne in dieses gemütliche Lokal mit dem manchmal zu großzügigen Wiener Wirt und seiner eher resoluten, bayerischen, von allen respektierten Ehefrau zurück.

Und es muß etwas dran sein, wenn zwei Menschen wie Steffi und der Intendant des Berliner Kriminaltheaters und Regisseur Wolfgang Rumpf Hansi unabhängig voneinander ähnlich charakterisieren. So sagt Steffi: „Mir hat seine ganze Lebensart, der Schmäh und das Laissez faire gut getan.“ Und Wolfgang Rumpf erinnert sich: „Er hat mir mit seiner offenen, liebenswerten, heiteren Art, das Leben zu leben, vieles gegeben“. Ja, Hansi hat die Worte, die Hugo von Hofmannsthal seiner „Rosenkavalier“- Marschallin in den Mund gelegt hat, beherzigt: „leicht muß man sein, mit leichtem Herz und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen“.

Über diesen Abschnitt im Leben von Hansi und Steffi wird uns nach dem nächsten Lied von Rainhard Fendrich Dr. Jürgen Zimmer mehr erzählen. Aus 23 Jahren, die Steffi für ihn an der Freien Universität Berlin gearbeitet hat, ist eine schöne Freundschaft hervorgegangen.

Neben vielen Fotos und anderen Erinnerungsstücken hing im „Wiener Stüberl“ ein gebastelter Geburtstagsglückwunsch für Hansi an der Wand, auf dem, von einem roten Vorhang umrahmt, unter seinem Namen geschrieben stand: Wegen des großen Erfolges Verlängerung auf unbestimmte Zeit. Nun ist der letzte Vorhang gefallen und es wird keine Wiederaufnahme geben. Aber eines können wir an dieser Stelle festhalten: Die Wette von 1974 hat Hansi nicht nur gewonnen, sondern 40 Jahre lang erfolgreich zu unserer und auch seiner Freude eingelöst.

© Hans-Jürgen Schatz

Hansi und Steffi Holyst mit Hans-Jürgen Schatz